10.30 Uhr in Deutschland: Mutteralltag

Es ist 10.30 Uhr. Mehr als ein halber Arbeitstag, wenn ich in meiner normalen Arbeitstagbilanz von vor drei Jahren rechne. Ein HALBER Arbeitstag von früher und es ist gerade mal halb elf!!! Da hab ich sonst die Mails gecheckt, ein paar Telefonate geführt, hatte einen Termin…und ansonsten ein Tässchen Tee, warm (!), getrunken. Was liegt jetzt, Mutteralltag heute, bereits hinter mir? Um fünf wurde ich aus dem Bett gejagt. Zwei Maschinen Wäsche (die sich bereits seit zwei Tagen anklagend auf unserem Esstisch stapeln) zusammengelegt, eine Wäsche ist noch im Trockner, eine weitere Waschmaschine läuft. Zwei Ladungen, die mir also noch bevor stehen *nackenhaare stellen sich hoch* oder *duck und weg einfach ignorieren*. Wer produziert nur diesen ganzen Dreck? Endloser bis in die Endlosigkeit sich ausdehnender Schlabberdreck. Ein Brot habe ich als Unterhaltungsprogramm mit meiner Tochter gebacken. uhhhhhhh, ich habe Brot gebacken… als Unterhaltungsprogramm…uhhuhhhuhhhh.

Eine Ladung Geschirrspüler ausgeräumt. Und den Geschirrberg, der sich in Wohnzimmer und Küche bis knapp unter die Decke türmte direkt wieder reingestapelt, übereinander gelegt, verquerscht reingestopft. Eine weitere neue Ladung Geschirrspüler läuft entsprechend, die nächste steht mir also hier ähnlich der Trockner- und Waschmaschinenladungen auch noch bevor. Vom Geschirrspülgestapel wird sicherlich ein Drittel nicht sauber, weil es ja alles unliebsam reingestopft ist. Das Drittel als die nächste, die Dritte Geschirrspülladung? Oder mit der Hand spülen? Werde ich entscheiden, wenn mein Arbeitsalltag weiter fortgeschritten ist.

Der erste halbe Liter Kaffee ist auch schon drin, sogar warm. Frühstück für alle gemacht, stimmt, fast vergessen. Und das musste ich auch noch aufwendig improvisieren, weil weder Brot, noch Müsli, noch Overnight Oats (normalerweise meine letzte Rettung, Rezept hier) im Haus waren. Es gab dann Porridge mit tonnenweise Obst dazu (da kann man nochmal ein „uhhhhhhh Porridge mit Obst“ reinschieben). Pausenbrote sind heute ausgefallen. Hungern ist heutiges Motto, in schön heißt es „Diät“ oder selbst was kaufen.

Soweit es ging, alle mit Liebe überschüttet. Gut, ja, zwischendrin auch mal gebrüllt, kurz. Bin schließlich keine Heilige.

Fünfeinhalb Stunden Kinderbetreuung liegen ebenfalls hinter mir, wovon ich einen 10 Kilo-Kleinkindbrocken zwei Stunden auf meinem Rücken getragen habe. Mein morgendliches und tägliches Workout. Dabei sämtliche Flecken in unzähliger Kleidung vorbehandelt:  gesprüht, geschrubbt, gechlort – quasi auch mein morgendliches tägliches Workout. Eine Höhle gebaut, ein Bett aus einem Amazon-Karton gebaut. Eine Benjamin Blümchen Folge ertragen. Zu Eule findet den Beat gegrovt und den Text dabei von vorne bis hinten auswendig mitgesprochen (früher konnte ich das bei Star Wars Filmen, jetzt bei Ben Blü und Eule, was sagt uns das?). Was mir noch bevorsteht ist eine ganz wunderbar delikate Sache: Ich muss das Katzenklo säubern. Also nicht nur mit Schippchen rein, Augen zu und durch. Nein, so richtig, mit komplett alles ausleeren, festgeklebte Pinkel und sonstige Herrlichkeiten abschrubben und anschließend den verstopften Abfluss irgendwie wieder frei prügeln. Hach schön stöhn. Was man nicht alles als Familienoberhaupt macht.

(Nebenbei habe ich eine neue Blogkategorie erstellt, wo ich die ganzen USA-Auswandererkrimistories abgelegt habe. Wie habe ich dafür bloß Zeit gehabt?)

Der Tag endet frühstens um 21 Uhr und geht etwa im ähnlichen Rhythmus weiter wie die letzten fünfeinhalb Stunden. Wie schaffen das alle Mamas bzw. Staying Home Eltern dieses Planeten ohne einfach ständig, also minütlich, aufzustöhnen? Und v.a. wann hört das auf? Wann geht jeder, einschließlich der Katzen bitte, einfach selbst zum Kühlschrank, holt sich sein Essen, wäscht sich seine Wäsche und füllt entsprechend Kühlschrank und Waschmittel einfach wieder auf? Ich befürchte, das ist jetzt mit der Entscheidung zu meinen Mitbewohnern hier einfach auf immer eingezogen. Hmm.

Ich glaube, ich muss mir sofort irgendeine tolle Musik online kaufen. Als Belohnung. Oder ein Hefezopf. Die Küche ist vor lauter Geschirrspülen, Brot backen und Trockner heiß laufen (ja der Trockner steht bei uns in der Küche…ein Kühlschrank ist aufgrund von beengten Verhältnissen auch im Schlafzimmer geplant) so saunawarm, dass ein Hefezopf bestimmt ausgezeichnet aufgeht, Fluffigkeitsgarantie, Belohnungsgarantie. Dann noch ein Inserat für Heinzelmännchen, Zauberelfen und sonstige Helferlein formulieren und online stellen. Guter Plan. Oder noch besser: Ich ziehe bei Instagram ein.

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0 Gedanken zu “10.30 Uhr in Deutschland: Mutteralltag

  1. Maja wird drohen, dann wird Hefezopf gestrichen und schon klappt die Sache. Ich kann mich auch noch gut an Super Mario Wettkämpfe erinnern.

  2. Weißt du was wirklich komisch ist ? Es wird anders, wenn die Kinder größer werden, aber es ändert sich nichts Wesentliches 🙂 Ich brauche zwar keine BenBlüs mehr ansehen … aber der Rest ist irgendwie fast genauso wie bei euch … und meine Kinder sind 21 und 19 🙂

  3. Siehst du, das hat doch auch was. Und keiner mault: „Boah, an den See, wie laaaaaangweilig, da ist ja niemand, den ich kenne. Und du quatscht immer mit anderen Leuten. Und WLAN hab ich auch nicht.“

    Enjoy!

  4. Das hört auf, aber dann bist du schon fast alt und fängt auch wieder an, dann bist du aber ganz alt und dir Rollen werden getauscht. Geniess es so wie es ist

  5. So ein 8h Tag einfach nur im Büro klingt heute wie purer Luxus und du fragst dich vermutlich, warum du davon jemals gestresst warst!

    1. Man will immer das was man nicht hat. “ Kirschen in Nachbars Garten „……..
      Und meine Mama hätte gesagt: „Es ist kein Unglück so groß wie das was man sich selbst macht.“

Na?! Was sagst Du dazu? Hau rein in die Tasten!

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