Mama geht aus!

Ich kann es selbst kaum glauben, es war in dreitägiger Abpumparbeit hart erkämpft: Ich war aus! Ganz allein mit Susa, kein Milan im Tragetuch, keine übermüdete Malea im Buggy, keine Windeln, Spuktücher, Snacks, nicht vollgeschlabbert. Nur mein Portemonnaie, meine Pumps und ich! Reiner hat auf VIER (!!!) Kinder im Motel in San Francisco aufgepasst. Bevor ich es zum Motel geschafft hatte, musste ich zweimal wieder zurückfahren. Ich Verpeilte hatte erst den Laptop vergessen – da wollte Reiner mit den älteren Kindern einen Film gucken – dann beim zweiten Zurückfahren und ins Gartenhaus rennen habe ich Milans Milchflasche geholt. Bei Susa im Motel noch fix mein einziges frisches nicht vollgeschlabbertes Ausgeh-T-Shirt angezogen, Flip Flops gegen Joop-Pumps getauscht, zwei schlafende Kinder und noch eineinhalb Burritos zum Abendessen abgeliefert. Meinen Part ausgezeichnet gemeistert. Und los geht´s auf die Gass! Taxi. 50er Jahre Diner. Riesenhafter Milchshake MIT Zuckerkirsche.

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Ich bin ganz verliebt in diesen Laden! Gasluftballons über der Theke, ein Cadillac mitten im Raum. Und.ich.bin.ohne.Kinder.hier!!!!! AHHHHHHHH! Phantastisch! Trinke als erstes einen Espresso, damit ich nicht in einer Stunde einschlafe, sondern den Abend komplett auskoste. Noch einen zweiten? Ne, einer reicht erstmal. Kurz an Reiner gedacht. Der arme Kerl, vier Kinder und er geschafft von der Arbeit, morgen früh muss er raus, hat ein Meeting. Aaaach Quatsch, nach dem Milchshake sind Susa und ich noch in eine Skybar gegangen! Den Abend auskosten! Reiner packt das schon. Ins Hotel auf der gegenüberliegenden Straßenseite, in den Fahrstuhl rein, 21. Etage. Hünen im Anzug als Eingangswächter, schwarze Feen in langen schwarzen bis zur Hüfte geschlitzten Abendkleidern sind die Bedienungen, Rundumblick über San Francisco, mein erster Cocktail seit Monaten. Danke Susa für das Entführen! Danke liebster Mann für das möglich machen! Ich bin sooo happy!!! Grandioser Abend, geile Stadt, zuckerliebste Menschen (mit Zuckerkirsche quasi) um mich rum und zuhause. Was für ne großartige Zeit!

Die Kehrseite des BIG

 

Die Kehrseite des „Mach es BIG!“ war direkt am nächsten Tag. Wir zum Pumpkin Patch. Da kaufst du deine Kürbisse, die gibt es dort in Massen, gehst in ein verhextes Gruselhaus, Maisfeldlabyrinth, Halloweenartikel – ein Halloweenvergnügungsparkt für Groß und Klein. Selbst die Promis gehen in Beverly Hills dann mit ihren Kindern zum Pumpkin Patch. Das macht man hier halt so. Ich zusammen mit Reiner den ältesten und berühmtesten, tollsten, schönsten, großartigsten Pumpkin Patch Oaklands rausgesucht, muss ja unseren Deutschlandgästen was bieten. Die hatten eine Höllentour durch San Francisco mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bis rüber nach Oakland, waren letztlich um halb zwei da und dann: Wir stehen vor einer Rumpelbude mit Dekoartikeln. Düdüdüüüüüm. Zwei kleine Köter mit orangefarbenen Hundehalstüchern laufen rum. Im kleinen Hinterhof Stroh, Kürbisse und ein schäbiger Eingang zu einem vermeintlichen Spukhaus. Darüber ein fetzen Papier, mit Edding groß „8$“ draufgeschrieben. Aber wir sind ja anpassungsfähig und auch schon halbe Amis, aus der richtigen Perspektive, machen wir auch die BIG Show. Wir hatten trotzdem Spaß. Susa und der Rest haben einfach das sonnigste Gemüt, sind Profireisende und saugen alles als Erlebnis auf.

 

Mach es BIG!

Hier wird nicht gekleckert, hier wird ordentlich geklotzt! Der Superlativ von Geklotze!

So war die ganze Rasselbande Susa, alle Kinder und ich auf der ehemaligen Gefängnisinsel Alcatraz. Das war natürlich schon mal ein logistisches Riesenabenteuer sechs Personen quer durch die Stadt zu jagen und zu einer bestimmten möglichst pünktlichen Zeit – die Karten waren schon gekauft für 14.10h – an Bord zu schaffen. Das mit zwei Kleinkindern und drei Personen, die eigentlich noch voll im Jetlag und ich als komplett Orientierungslose und Dauerverpeilte. Wir haben uns tapfer geschlagen, sind ganze vier Minuten vor Abfahrt als letzte und alle etwas fußlahm an Bord gegangen.

Ein Ranger mit Cowboyhut weist die Touri-Menschenmasse an: Da geht es zum Audio-Guide, da sind Klos, da kann man das kaufen, da kann man auch Geld ausgeben – ne Quatsch, ich weiß nicht mehr genau, was er gesagt hat, aber so in etwa wird es gewesen sein. Alle Mann hoch auf den Berg gestapft und die Audioguides abgeholt – huaaaaa gähn, Kinder gelangweilt, Kopfhörer, die einem irgendeinen Quark erzählen. Hahaaaa, weit gefehlt! Taterataaataataaaa: Möwen kreischen, Meeresrauschen, ehemalige Gefängnisinsassen und Wärter erzählen auf englisch ihre Geschichte. Das Ganze wird auf deutsch von Supersprechern, aber wirklich vom allerfeinsten, overvoiced. Es wird alles genau beschrieben und dann steht man selbst davor. Das ist z.B. das dunkle Loch, die Superstrafe:

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Tür zu. Dunkel. Echt beklemmend.

Hier im dunklen Loch, erzählt ein Gefangener, hat er immer und immer wieder den einen von seiner Kleidung abgerissenen Knopf in die Höhe geschmissen und ihn dann kriechend auf dem Boden gesucht.

Man tapst hierhin und dorthin. Geht durch die verschiedenen Gänge.

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Im Durchschnitt und bei gutem Benehmen hat ein Gefangener im Jahr 75-100 Bücher aus der Bibliothek geliehen und gelesen. Wände durften nicht dekoriert werden. Einige harte Jungs haben das Häkeln begonnen. Jede Woche gab es eine Packung Zigaretten, auch für die Nichtraucher. Eine Zelle – ich bin es abgelaufen – war drei kleine Schritte breit und fünf kleine Schritte lang. Ein Gitter mit Matratze als Bett, ein winziger Tisch, ein winziger Stuhl, ein Plumpsklo, zwei Regalbretter an der Wand.

Dann geht der Thriller los. Diese Zellen mit diesen Insassen (Fotowände zum Gucken) war der Startpunkt folgender Revolte. Siehst du die Schlüssel da hängen, die wurden vom Gefangenen so und so geschnappt, da ist er hochgeklettert, mit diesem Stangenspreizer gebaut aus xy hat er die Stangen auseinander gebogen und hat sich durchgequetscht. Da wurden so und so viele abgemurkst. In diesen Zellen haben Gefangene mit Löffeln aus Stahl Löcher durch den Beton „gegraben“ bis hin zum Versorgungsschacht. Dort haben die sich verbarrikadiert usw. usw.. Das war eine wahnsinns Show!!! Ein Hörspiel, eine Dokumentation, in der man selbst rumtapst. Menschenmassen tapsen schweigend und staunend mit ihren Kopfhörern, die in den jeweiligen Muttersprachen einen Thriller erzählen, durch das Gefängnis Alcatraz. Also das war wirklich ganz, ganz BIG!

 

Besuch ist DAAAAA!!!

Es ist Weihnachten!!!! Sooo herrlich! Mit all den Müllbeuteln, der Sonnencreme, die sich gut verteilen lässt, nicht stinkt und bezahlbar ist, alles von dm, es ist Weihnachten! Eine riesige Flugzeugpicknickdecke! Halloweenschminke, mein Gärkörbchen für das Brot und 24 Pixis von Amazon. Und wir haben für die Adventszeit sogar Lebkuchen, Stollen, Glitzerbackkram, Schnee (!!!!!) und Baumkuchen – MEINE Leibspeise! Meine Freundin das blonde Christkindchen mit Flügeln hat das so aufmerksam zum Geschenk mitgebracht und durch den Zoll geschmuggelt. Hab das Foto gemacht und musste erstmal kurz weinen. Die sind doch spitze oder?!!!!!

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Sonniges Frisco mit coolem Coffee to Go

Die Sonne lacht, die Kinder schlafen beide (!!!), wir treffen die zwei liebsten, sonnigsten Menschen überhaupt – Minke und Nils. Wir sind am Sonntag im belebten San Francisco und spazieren alle mit nem großen Pappbecher Coffee to Go durch die City zum Meer.

Wie.geil.kann’s.eigentlich.sein.im.Leben?!?!?!!!!!
Wir haben sogar umsonst geparkt! Reiner erzählt: hier fahr ich immer mit dem Bus lang, hier steige ich um, da is das und das. Wir, die Homies. Das ist unser Kiez. Ich fühle mich mächtig toll in Kalifornien. Ich brauche unbedingt noch eine Sonnenbrille.Dann bei Bubba Gump – wie Forest Gump – fette Scampis bis zum Platzen gegessen! Die hatten dort Limonade, wo der Riesenbecher unten pink blinkend leuchtet. Malsachen für Malea direkt beim Eingang geschenkt bekommen. Dann hatte jemand Geburtstag und ein Rudel Kellner hat drumrum gestanden und sirenenlaut gesungen. Das Schild Run, Forest, run signalisiert auf dem Tisch, dass man nichts bestellen möchte.  Total laute Musik. Blick auf den Pazifik. Hinter uns direkt Alcatraz. Ich weiß gar nicht, wo ich überall hingucken und es toll finden soll.

Am Ende des Tages eine Bimmelstraßenbahn aus den 60er Jahren gefahren. Es war eng, laut, runde Lampen, eine Zeitraummaschine!
 Der ganze Tag ein Sinnenrausch. Phantastisch!

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