5.50 Uhr Sonntagmorgen in Berlin: Parteyyyyyy!

5.50 Uhr am Sonntagmorgen. Mein zehn Monate alter Sohn meint: Parteyyyyy! Vor und zurück mit dem Po, lachen, schnaufen, grunzen. Er:  Juhuuuuuu, Parteyyyyy, Mamaaaaa, los geht´s, es ist doch schon fast hell, Juchuuuuu. Der Tag geht looohoooos. Ich: Puhhhh, stöhöhhn, seuuuffzz. Der ist komplett verrückt, kann nicht von meinen Genen sein, ich bekomme das linke Auge einen Minispalt auf. Puhhhh. Kann der nicht Ernst meinen.

Abwägung: Noch einen Moment, so zehn Minuten, bis wenigstens nicht mehr die Horror-5 auf der Uhr steht warten, dann irgendwie die Parteyyyy beginnen. Oder schnellstens mit ihm Aufstehen und verhindern, dass Frühmorgenspartykind Nummer zwei auch aufwacht. Innerlichstes größtes Seufzen bis die Fenster metaphorisch beben und aufstehen. Einfachstes Frühstück steht schon vorbereitet im Kühlschrank (*bin ich froh*), Rezept folgt in Kürze, das macht´s einfacher. Schlafwandlerisch brühe ich sechs Tassen Kaffee auf. Das dürfte für mich reichen. Mein Partysohn räumt in der Küche auf, liest zerreißend Zeitung, ordnet donnernd Pfandflaschen um und quengelt, weil es doch alles so ätzend langweilig ist. Mama, wo is’n jetzt die Pardddeyyy?!

Kaffee, Frühstück im Glas – ich bin emotional noch nicht in der Lage für Party. Ich erinnere nochmal kurz: Sonntagmorgen jetzt 6.00 Uhr. Ich gucke aus dem Fenster – Berlin schläft noch für mehrere Stunden, selbst der Flohmarkt hier baut erst nach zehn Uhr auf. Mein Sohn ist doch kein Berliner, da ist irgendwas schief gegangen. Immer noch Jetlag? Vielleicht. Er ist Kalifornier, ihm scheint die Sonne aus dem Arsch und lebt in einer anderen Zeitzone als ich. Ich suche den Laptop, bisschen Blogs und news lesen, das passt jetzt zu meinem Kaffee und Partykind Nummer zwei schlummert ja noch. Ich werde den ganzen Tag nicht mehr dazu kommen, jetzt ist meine Chance. Wo ist der Laptop versteckt? Gestern hat er noch in der Küche auf der Arbeitsplatte das Gleichgewicht suchend auf einem großen Karton gestanden. Nachdem ich den Schrank über dieser Karton-Laptop-Konstruktion geöffnet habe, ein Marmeladenglas mir scheppernd entgegenfiel – kraaaawummm – auf den Laptop gedonnert ist, um dann im Sturzflug auf dem daneben platzierten Handy zu rumpeln – kraawumm, hat mein Mann den Laptop irgendwo rettend versteckt. Im Wohnzimmer? Ne. Badezimmer? (Ja da steht der auch gelegentlich) Ne. Soviel Auswahl gibt´s in unserer Schuhkarton großen Wohnung nicht. Also schleiche ich ins Schlafzimmer. Partykind Nummer eins rutscht mir krachend hinterher. Laptop gesichtet, los geht´s. freufreu.

Und dann: Düdüdüüm. Hahaaaa. Ätschbätsch. Der Bildschirm wird immer wieder aus unverständlichen Gründen schwarz. Möchten sie dies aktualisieren? Oder das? Fenster ploppen auf. Am Anfang denkste, klar, dieses Zeit raubende, nervige Desaster ist gleich vorbei. Der Cursor bewegt sich nicht, alles bleibt hängen. Meine Chance mit meinem Kaffee lesend ein wenig Zeit zu verbringen schwindet. 6.20 Uhr, resigniert fahre ich das ganze Ding runter, es geht ja nix. Schon mal 20 Minuten vorm Computer gesessen und es geht einfach gar nichts? Eine so schrecklich vergeudete Lebenszeit im Stillstand, insbesondere mit dem Wissen, es ist die einzige Chance heute ein wenig was zu lesen, schlürfend mit Kaffee. Der ist jedoch gleich schon leer genippt. Stierend auf den Bildschirm glotzen und nichts passiert, kleine drehende Kreise, denen kann man zugucken, ja. Computer fährt hoch. Ich habe einen Mac, es öffnet sich Windows – ein Parallelfenster, mysteriöserweise auf meinem Mac eingerichtet. Ich sitze wartend davor und gucke zu, wie sich verschiedene Dinge laden. Ich beobachte wieder die sich drehende Kreise. Alles Sachen, die kein Mensch braucht. 6.25 Uhr. Ich kann das erste Internetfenster öffnen. Ein Schluck Kaffee, der erste gelesene Satz. Herrlich!

Sonntagmorgenpartykind Nummer zwei trampelt in die Küchentür. Es bleibt bei einem gelesenen Satz. Party beginnt, Frühstück für alle, Eule findet den Beat, Hip Hop Ratte hören. Naja, Musik von Hip Hop Ratte, zwei Partykinder und vollgetankt mit Koffein bin ich auch – so ist der Sonntagmorgen doch gar nicht so schlecht.

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0 Gedanken zu “5.50 Uhr Sonntagmorgen in Berlin: Parteyyyyyy!

  1. Hier kommt ein bisschen Hoffnung: aus 5:50 wird irgendwann 7:00, dann 8:00, dann 9:00 Uhr und heute bin ich als Einzige wach, hab die Zeitung schon durch, das Frühstück gemütlich um 12:00 fertig und frage mal an, ob jemand mitessen möchte. Reaktion meist: jetzt schon, laß mich einfach schlafen! Ich denke ich stelle demnächst um auf: ich mache noch Sport Sonntag Mittag und versuche es mit Kaffee und Kuchen nochmal an der Teenie Tür… Sind bei dir nur noch … ähm… ca 10 Jahre…

    1. Ne ne, sieh mal. Maja hatte ihre liebe Familie um sich rum und ich musste den ganzen Sonntag mit Thomas auf dem Sofa chillen. Was ist da wohl besser?

      1. Absolut unmöglich!!!! MEINE Enkelkinder können gar nicht boshaft sein. Dann doch eher fröhliche Lerchenkinder halt mit Reiners Genen in dieser Hinsicht

Na?! Was sagst Du dazu? Hau rein in die Tasten!

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