Aus Versehen im Ghetto

Wieder raus aus dem dunklen Loch, zwei Kinder gepackt, Handy voll geladen, USB Kabel, meine neue Navigations-App und los geht´s zur buggy bank – dem Fähnchenhändler, wo wir wahrscheinlich unser Auto kaufen. Navi führt mich gewissenhaft zur buggy bank, Kinder brüllen wie gewohnt. Und dann kommt eine Hürde nach der nächsten. Ich darf da auf dem Parkplatz nicht parken, weil nur für Verkaufsautos… zwei Kinder, zwei Kindersitze, Handtasche – bzw. meine Einkaufstüte, weil eine Handtasche hab ich ja vergessen einzupacken, ein Handyhaltedingsda für die Navigation. Ich nur zwei schwächelnde Arme. Da Milan brav brüllt, erkläre ich dem Wächter ebenfalls halb brüllend, dass es ganz großartig wäre, hier kurz parken zu dürfen – ich bin ja schließlich auch interessiert an nem BMW in seinem Stall. Ok, erste Hürde ohne Probleme geschafft. Muss meine Kreditkarte abgeben, bekomme BMW-Schlüssel. Moment, zweite Hürde: Wie bezahle ich jetzt den Mechaniker, der den Wagen testen soll – da soll ich jetzt nämlich mit Sack und Pack hinfahren? Noch 39 Dollar in der Einkaufstüte. Reiner meinte, kostet ca. 100 Dollar. Egal mein Lächeln ist doch mindestens 61 Dollar wert! Kind 1, Kind 2, Kindersitz 1, Kindersitz 2, Einkaufstüte, Handyhaltedingsda, Kabel alles in den BMW gepackt. Gefühlte 60 min. später: Handykabel reinstecken… Hürde 3, kein USB-Eingang. oooookay, ich mit einem Adresszettel und schwindendem Akku unterwegs in Oakland. Der schwindet mit 21 Whats App Nachrichten zusehends, Panik steigt auf. Kind Milan brüllt wie gewohnt. Ich fahre etwas schneller. Erreiche Reiner nicht. Akku gleich weg. Adresse, wat?!?! Wo bin ich denn hier? Hürde 4: Upps, aus Versehen im Ghetto gelandet, Mülleimertonnen, Dutzend gruselige Menschen drum herum, äh ne, bin leider nicht im Kino. Milan brüllt, Akku gleich weg, kein Mechaniker weit und breit. Bestandsaufnahme: ein brüllendes Kind, ein schlafendes Kind – wie schafft Malea nur diese Entspannung, Neid – 39 Dollar, keine Kreditkarte, zwei Schutzsteine, dicker BMW. Mittelmäßig attraktiv für Mülltonnengestalten. Resümee: Fenster hoch, schnell weg. Mit puckerndem Herzen hoffen, dass Akku bis zur buggy bank reicht. Und dann plimpt immer wieder ne Nachricht aus dem Familienchat auf, wenn es grade nicht so schrecklich wär, würde ich mich ja riesig freuen. Reiner ruft zweimal an, ich kann nicht ran, chatte beim Fahren, der Navigationsdisplay verschwindet.

Ey ey ey – es ist schon ziemlich schrecklich so furchtbar orientierungslos zu sein. Am Ende ist natürlich wie immer alles gut, alle sind erschöpft und ich trage den sich im Tuch beruhigenden 6 Kilo-Milan und die im Kindersitz (10kg) eingeschlafene Malea (10,5kg) mit zwei schwächelnden Armen von einem zum anderen Auto.

0 Gedanken zu “Aus Versehen im Ghetto

  1. Also UNBEDINGT beim nächsten Supermarktbesuch (gibt’s da eigentlich auch normale Geschäfte?) einen Zusatzakku für das iPhone kaufen zur Beruhigung von Mamas Nerven und zur Vermeidung eines Herzinfarktes derselben. Ich seh Dich schon durch apokalyptische düstere Straßen fahren, wo überall Müll rumliegt und Junkies, Penner und andere üble Gestalten mit blutunterlaufenen Augen (vielleicht sind auch Vampire und Zombies darunter) um alte Ölfässer wo ein Feuerchen drin flackert und sich die zittrigen gichtigen Finger wärmen. Dann knallen Schüsse und …. na ja vielleicht hab ich Glück und werde dann wach.
    Also da Ihr wegen riesiger Monsterpizza jetzt wohl die ganze Woche keine Nahrungsmittel mehr zu Euch nehmen müsst müsste die Haushaltskasse doch überquellen und die Ausgabe für Zusatzakku befreit Euer Portemonnaie von Bauchschmerzen.

    Ach übrigens hier haben sie in der Baustraße die Tage einen umgeschossen. Soweit also zu: in Frisch ist es gefährlich

  2. Gerade vom Winzerfest gekommen und liege platt vor dem Bett und lach mich schlapp. Muss auch gestehen es hat mich den ganzen Winzerfestabend gejuckt in den Bloog zu gehen,aber das macht man ja dann doch nicht und ohne Brille auch schwierig

  3. Ok, es ist eigendlich nicht lustig. Aber es ist einfach sooo lustig geschrieben das ich bei jeder weiteren Hürde noch mehr lachen musste. Sehr aufregend das alles und wie immer hinreißend geschildert.

Na?! Was sagst Du dazu? Hau rein in die Tasten!

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