Bitte ein kollektives „Ohhhhh du Arme!“

Leute, haltet euch von Kindergärten, KiTas, Schulen, Kinderhaufensammlungen fern! Tür auf, Kind und Kuchen hinterhergestopft, Tür zu, umdrehen, ducken, schnelllllll weg. Das müssen dadrin alles Menschen mit Superheldenkräften sein. Zum einen, dass sie den ganzen Tag das Gebrüll ertragen (angeblich sei das nun zu Phasen der Eingewöhnung schlimm, ansonsten niiiiieee….klar ich kenn doch meine Kinder, Brüllen ist bei uns wie Platte mit Sprung, immer wieder dieselbe Rille Gebrüll). Zum anderen müssen sie dort zwangsläufig Superkräfte haben, weil alle aufrecht und gerade  stehen, maximal mit einem leichten Schnupfen.

Keine zwei Wochen hat es gedauert und die KiTa hat mich danieder gerafft. Schön, dass meine Kinder gesund bleiben und ich dann schwach zitternd vor mich hin kauere – die Wilden derweil auf mir rumspringend (bitte einmal ein kollektives „Ohhhhh nein, du Arme“). Seit Jahren bin ich nicht mehr krank gewesen. Ich kann mich gar nicht erinnern wann. Vielleicht vor fünf oder sechs Jahren das letzte Mal. Zwei Wochen hat es gedauert, bis das KiTa-Miasma, der Dunst der Keime, mich platt gemacht hat. Ich bin ja nur noch in der Wohnung rumgekrochen und konnte nicht mal mehr Piep sagen. Zitter zitter, schwächelnd schwächelnd. Täglich bin ich dort nur rund eine halbe Stunde, hänge nichts tuend in der Garderobe ab. Mitte des Monats sind meine Cyperpunkte für schnelles Internet aufgebraucht, das macht den Garederobenaufenthalt nicht spannender.

Die Zettel an den KiTa-Türen wechseln sich ab wie die Tageszeitung: Magen-Darm geht rum, Hand-Mund-Fuß, Läuse… ob ich die KiTa-Zeit meiner Kinder putzmunter und mit langen Haaren beende, wage ich mittlerweile ernsthaft zu bezweifeln. Die Quarantäne-Notfall-Rationen Cola und Salzstangen sind jedenfalls auf dem Einkaufszettel vermerkt – für mich, meine Wilden bleiben offensichtlich gesund springend auf mir drauf.

Als Mama macht man bekanntlich nicht lange krank, ich jetzt längst wieder putzmunter und durfte am Montag ganze 60 Minuten (!!!) die KiTa verlassen. Nach vier Wochen rumdümpeln, die Erzieher mit meinen Zweifeln nerven und nichts erledigt bekommen, ein komplett ungeahnter Freiheitsduft. Ich allein mit 60 Minuten! Ich bin nach Hause gerannt, stolpernd, hektisch, hechelnd bin ich gerannt und habe mir auf dem Weg allerlei überlegt: mir selbst einen Kuchen backen, Radio hören, Nachrichten der letzten und nächsten Wochen aufsaugen, Großeinkauf erledigen, Zähne sogar mit Zahnseide säubern, Kleiderschrank aussortieren, Orgabriefe schreiben, Wohnung aufräumen.

Tatsächlich habe ich auf der Couch gesessen, habe gerade so noch vertikal einen Artikel auf Gala.de gelesen, bin Wecker stellend in die Horizontale gekippt, um ohne Verzögerung einzuschlafen.

Kann ich durchaus empfehlen.

Erzähl´s weiter!

16 Gedanken zu “Bitte ein kollektives „Ohhhhh du Arme!“

  1. Kenne ich… Als Erik das erste Mal in den Kindergarten ging, war Emelie gerade erst 4 Monate alt und wir haben immer zusammen Vormittagsschläfchen gemacht, weil die Nächte so kurz waren… Jetzt habe ich keine Ruhe mehr:D
    Erik war auch am Anfang dauerkrank und Emelie war durch ihm auch immer erkältet… Aber nach einem Jahr wird es besser;) Aber Magen-Darm oder Läuse hat er nie gehabt, obwohl die fast 6 Monate lang mit den Läusen im Kindi gekämpft haben…

  2. Du Arme – du hast mein vollstes Mitgefühl!!!! Von den Viren und Keimen wurden wir weitgehends verschont, dafür haben wir jede(!!!) Laus mitgenommen, die geht. Beim ersten Mal bin ich im Dreieck gesprungen, fand das super eklig und habe alles (!!!) gewaschen, eingefroren, eingetütet und und und…. Die nächsten Male war ich entspannter 🙂 man wächst mit seinen Herausforderungen. Die schreienden, nicht-in-den-KiGa-gehen-wollende-Kinder hatte ich immer wieder, abwechselnd ….. das habe ich zum Glück nicht mehr, dafür die Pubertät ….. und dazu sage ich nix mehr ….

  3. Erstmal ein verdientes: Ohhhhh nein, du Arme!!!
    … und dann: Auch Du wirst gegen die Millionen neuen Keime resistent und kriegst nicht mehr jeden Kindergartenschupfen ab, den die Bande da vertreut!

    Danke für die Lacher!!!

    (Mein Mann hatte mit 47 Jahren vom eigenen geimpften!!! Kindergartenkind angeschleppte Windpocken! Sie hatte 3 Mini-Pöckelchen und er war wirklich scheintot! Kein Spaß, sag ich Dir!)

  4. Krippeneingewöhnung steht hier auch ab nächsten Monat an. Die Krankheiten sorgen mich weniger, ich habe ohnehin noch keinen neuen Job, da muss ich wenigstens auf niemanden Rücksicht nehmen.
    Interessanterweise stecken die Kleinen echt viel mehr weg, als man selbst.

    1. Theoretisch geht´s auch easy und problemlos. Alle anderen Eltern sind jedenfalls täglich entspannt an mir vorbeigerauscht, „Tschüüühüss“ winkend. Ich war die Kröte mit dem bockigen Kröterich, der einfach keinen Bock auf KiTa hat. Muss aber wirklich nicht so laufen.

      1. Ich denke, das kommt auch immer sehr darauf an, in welcher Phase man das Kind quasi erwischt. Wenns grad einen ich find alles blöde und will nur bei Mama sein Phase ist, dann haste halt versch*** Glück hat man, wenn das Kind eh grad nicht soviel von einem wissen will. Bei einer Freundin hat der Papa die Eingewöhnung gemacht, lief auch nochmal komplett anders, als wenn sie es gemacht hätte. Gibt so viele Faktoren, die man so gar nicht sieht.

        1. Ich denke wir sind in der Phase – ich find alles blöd (die geht mindestens so lang bis ich mit 20 endlich das Trotzalter, die Pickel und die Pubertät überstanden habe und ausgezogen bin). 😀 Ich mach mir jetzt nix mehr vor und stelle mich auf konstanten Radau ein.

  5. Reality blogging statt reality soap: letztere (Seife und Keimvernichtung) und happy ends gibt es da nicht allzu oft bei Krippeneingewöhnungen, aber Drama, Drama und nochmals Drama 😉
    Von mir auf jeden Fall ein „Oooooh, du Arme!“ und ein lieber Gruß aus der Kita-Garderobe, wo es nach Hausschuhen müffelt, was den Spaß an der beinahe-Ruhe, sobald die Tür zu ist, etwas entzaubert

Na?! Was sagst Du dazu? Hau rein in die Tasten!

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