Im Himmel stationiert

Einmal alle komplett innerlich wie äußerlich durchgeschüttelt, Augen fest zugekniffen, Augen auf und vorbei ist der Alptraum. Wir stehen etwas länger vor der Gartenhaustür, weil wir die Tür nicht aufbekommen. Rosmarin und Salbei duften am Nachmittag, beides wächst direkt neben der Eingangstür. Himmlische Gestalten singen uns im Chor Kyrie eleison. Ich blicke mich staunend um: Ein Feigenbaum mit süßen reifen Früchten steht hinten im Garten. Wein rankt sich vor einer Hängematte, die unter einem Baum hängt. Die Tür geht auf, wir schweben hinein. Hell, alles ist so hell. Ich bin geblendet. Ich kann nichts sehen. So unfassbar viel Licht.

Krawummm saust die Erinnerung durch meinen Kopf.Panisch, hektisch, ich rufe, schnell, schneeeell, alles ausziehen! Meine Sippe gehorcht, Hose aus, T-Shirt aus, Windeln aus. Komplett nackig stopfen wir wild die kontaminierten Klamotten in einen Plastiksack. Zugeschnürt, markiert, nur noch mit gespreizten Fingern anfassen. Mal sehen, was in den beiden zufällig gewählten gewaschenen Kleidersäcken für Klamotten sind. Jeder hat irgendetwas zum Anziehen drin. Wir sind langsam aber sicher wieder hergestellt. Unsere Vermieterin und ihre zweijährige Tochter begrüßen uns. Die beiden afroamerikanischen Engel duften, sind so schön und so nett. Nächsten Mittwoch sind Malea, Milan und ich zum Picknick im Park eingeladen – rund zehn Familien aus der Straße treffen sich dort mittwochs. Ich freue mich riesig und bringe bestimmt frischgebackenes Brot mit.

Auf Samtpfoten schleiche ich durch dieses leuchtend helle Paradies. Küche, Badezimmer, alles ist neu. Wenig Küchenutensilien, nur ein Kochtopf, egal, ich kann sehen, was ich koche, sogar ohne Lampen anzumachen, völlig neuer Kochgenuss. Pflücke für die Sauce von draußen einen Rosmarinstiel. Die Tür schließe ich zum ersten Mal nicht hinter mir ab.

Ich regeneriere mich in der ebenerdigen, mit Natursteinen gefliesten Dusche. Tageslichtbadezimmer. Flauschig weicher, heller Teppich auf der Treppe und im Schlafzimmer.

Vom Bett aus sehe ich den Feigenbaum und höre die Grillen zirpen.

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