Soup kitchen 

Die Suppenküche in Santa Barbara am Weihnachtstag, Startschuss 11.30h. Zunächst wurde ich im Vorfeld auch nochmal von Reiner gebrieft, vorsichtig zu sein. Ich als Muttertier jetzt sowieso von der ängstlichen Sorte schleiche also hinter Ines her, die strammen Schrittes an der vor der Tür wartenden Obdachlosenschlange vorbei marschiert. Durch den Hintereingang kommen wir dann zum veterans room, dort findet die xmas-Suppenküche statt. Alles ist weihnachtlich dekoriert und liebevoll hergerichtet.

img_7039

Wir melden uns an, bekommen unsere vorbereiteten Namensschildchen und sollen zu Tisch 11. Wir sind Floater bzw. Standby, haben also keine wirkliche Aufgabe und sollen uns etwas suchen. Hmm. Wir sitzen dann erstmal im noch leeren Raum. Dann zwei Ansprachen der Organisatoren. Sehr emotional, alle lauschen gebannt. Wir werden gebeten, den Spirit der Weihnacht weiterzugeben. Schluck. Das war schon auch mit Pipi in den Augen. Hmpf ok, wir verteilen zunächst Salz und Pfeffer. Ines Pfeffer, ich Salz. Auf den Tischen liegen schon dutzende von kleinen Salz- und Pfefferpäckchen. Völlig überflüssig also. Ich verteile die kleinen Päckchen unter den Gästen und versuche, mit Ihnen nett zu sprechen. Funktioniert so mittelmäßig. Ich verstehe nix und ich werde auch nicht verstanden, glaube ich zumindest. Weihnachtsmusik, jede Menge Leute, ungefähr dreimal so viele Helfer wie Obdachlose (bestimmt die Hälfte, so unterstelle ich, will wie ich einfach einen Freikauf vom Fegefeuer), eine Helferin, die im roten Weihnachtsminikleid schwebend zur Musik tanzt (aha, der Spirit), um Himmels Willen nicht Ines verlieren. Die Rettung! Jemand beordert uns zu den Soßen. Ines ist Salatdressing, ich Lasagnensoßennachschlag. Lachen viel mit Salatausteilerin Dani. Machen unseren Job ganz nach fordschem Fließbandprinzip. Schnell und irre effizient verteilen wir die Toppings an die Servicehelfer, die dann den Obdachlosen das Hauptgericht bringen. Die Serviceleute machen schon Witze, weil wir das rasante Trio sind. Wir haben den Laden im Griff!   Kein Warten, weiter scheuchen, husch husch, hier herrscht Disziplin und Ordnung. Wir lachen wirklich viel! Hauptgang ist langsam durch, die Schlange ebbt ab. Ich sehe, dass es sich alles zum Dessert verlagert. Die Schlange in der anderen Ecke des Raums ist ewig lang, die Austeiler kommen nicht hinterher, die Servicehelfer stehen an, nix geht vorwärts. Ich bin Floater, floate also rüber und frage, was ich helfen kann. „no more hands, no more hands“ sagt Lisa. Logo braucht ihr more hands Lisa, sonst ginge es doch vorwärts. Ich bleibe einfach stehen und schnappe mir den Löffel für die Erdbeeren, tue so, als hätte ich nix verstanden. Dann nach einigen Minuten ein zarter Optimierungsversuch: frage Lisa, ob ich nicht die Sahnesprühdose übernehmen kann und sie, weil sie Handschuhe hat, die Erdbeeren mit den Händen auf den Tellern platziert, die kullern bei mir nämlich nur rum, das geht nicht schnell genug und sieht auch noch doof aus. Jetzt tut sie so, als hätte sie nix verstanden. Klar. Sie nimmt Sahne, Erdbeeren, Kuchen, Eis, alles gleichzeitig an der Front an, sieben Leute stehen eingeschüchtert hintendran und stellen das nicht funktionierende Chaos nicht in Frage. Sahne spritzt auf alle Klamotten, die Tische kleben vor Eis und Erdbeermatsch, die eine erklärt mir „nur eine Erdbeere pro Teller“, ein Mann kommt und sagt zu mir „da sind noch zwei weitere Riesenschalen mit Erdbeeren, bitte alles austeilen“, das Eis schmilzt dahin, es geht nicht schnell genug, einzelne Teller werden in der Luft herumgereicht, weil alles auf den Tischen eingesaut ist und sowieso jeder alles ein bisschen macht. Kein fordsches Fließband, keine Effizienz, die Schlange wird immer länger. Ich bin ganz schön deutsch, stelle ich in meiner Selbstreflexion fest und hole erstmal aus der Küche feuchte Lappen zum Wischen. Die Ecke des Tisches mit Eis fängt sonst gleich an zu schwimmen.

Ines und Salatausteilerin Dani werden zum Dessert beordert. Ein herrisch auftretendes Alphaweibchen macht bei Lisa die Hackordnung klar, wischt mit ihrem Zauberstab einmal die voll gestellten Tische frei. Ines und Dani haben unter ihrem Kommando Kuchen und Kekse übernommen. Nach wenigen Minuten ist die Schlange verschwunden. Geht doch.  Alles ist langsam erledigt. Santa Claus ist da, umarmt jeden Gast und verteilt Geschenke. Viele strahlende Augen.  Wir schlendern ein wenig rum und essen dann auch eine Portion Lasagne mit Salat und va Eis.

Unterhielten uns mit einem Veteranen. Er macht das schon zehn Jahre und unterhält sich einfach mit den Obdachlosen. Wow, er macht es wirklich ganz echt. Ich glaube, von dieser Sorte gibt es hier nicht ganz so viele. Ich habe halt für meine Himmelseintrittskarte zweieinhalb Stunden Essen auf Teller geschaufelt. Gut, besser, als gar nicht geholfen, sagt Ines zu mir. Stimmt auch wieder. Dennoch hinterfrage ich jetzt nach der Suppenküche meine Gründe ein wenig: etwas Gutes tun, für das Gute Gefühl in einem selbst, helfen wollen, wenigstens einen Tag, sicher auch etwas Voyeurismus. Schön, dass es am Ende mit Ines einfach herrlich Spaß gemacht hat!

Erzähl´s weiter!

6 Gedanken zu “Soup kitchen 

  1. Süße, ich find das Durchstrukturieren gar nicht so deutsch. Es ist eher was Überlebenswichtiges. Als Mutter von 2 Kleinstkindern wird jede Unstrukturiertheit im Familienwahnsinn mit noch mehr Schlafmangel abgestraft! Kuss!

Na?! Was sagst Du dazu? Hau rein in die Tasten!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.