Unser Kiez die Bernal Heights

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Bernal Heights, San Francsico

Bin im Supermarkt den Berg runter, um Wasser zu kaufen. In kompletter Schräglage halte ich den Buggy mit all meiner Kraft fest. Unten im Supermarkt stehe ich an der Kasse und sehe die Spitze der Bernal Heights. Da will ich hin! Schnell noch nach Hause, um die zwei Gallonen Wasser nicht schleppen bzw. schieben zu müssen? Aaaach Quatsch, will mal einen anderen Weg ausprobieren und nicht langweilig denselben zurück. Es geht also Berg auf! Und wieder Berg auf. Dann mal Berg ab. Wieder Berg auf. Das ist wohl San Francisco. Auf der Couch im Fernsehen oder auf Fotos sieht das ganz toll aus. Schwitzend mit acht Litern Wasser, ca. 13kg Malea und ca. 12 kg Milan im Tragetuch ist das nicht ganz so romantisch. V.a. kommt hier nicht wie auf der Postkarte eine Cable Car oder eine Straßenbahn aus den 50igern um die Ecke gefahren. Nun kommt einer der ganz fiesen Berge. Ich stemme im 45 Grad Winkel zum Boden meine Zehen in den Asphalt, der schlafenden Malea steigt sicherlich das Blut in den Kopf. Milan lacht mich in komplett horizontaler Lage an. Ich genieße dabei die Aussicht: ich kann seine Popel bis hoch zum Gehirnansatz sehen, so schön scheint da die Sonne rein. Ich komme fast oben an. Treppen. Ende. Schnaufend, nein eher japsend, frage ich einen Hundespaziergänger, ob es eine Möglichkeit für mich, den Berg und den Buggy gibt. Ohh yes, sorry, but, rechts rum, Berg hoch, Berg runter, Berg runter, Berg hoch, links, Berg hoch – dort maybe. Aha. Das eine Kind schläft, das andere ist happy, ich habe eh nichts vor und habe mich erst neulich bei meinem Ehemann über meine alternden Beine beschwert. Gratis Fitnessstudio ist meine Devise.

 Das Knifflige ist, dass es nicht nur Berg hoch und Berg runter geht, sondern der Bürgersteig an sich auch einer Achterbahn gleicht. Jede Einfahrt ist für das bessere Einfahren der Autos, die sonst schlichtweg zur Seite umkippen würden, ein wenig geebnet. Dadurch entsteht im Berg zusätzlich ein auf und ab.

Tatsächlich schaffe ich es bis ganz nach oben. Die Bernal Heights erkenne ich zunächst als braune trockene Erde. Ich komme an einem Parkschild vorbei. Werfe nur kurz einen Blick drauf: Dog Walks. Hundewege. Ich bin aber abgelenkt von einer ganzen Hundeschar und deren Nannies. Vier Erwachsene kümmern sich um 15 Hunde. Hui, aufregend. Ich laufe weiter den Berg hoch und suche mir eine Bank zum Verschnaufen und Picknicken.  Habe mir und Malea zwei ganz schlimme fettige Donuts gekauft, muss ja schließlich alle Geschmacksvarianten Amerikas testen. Milan bekommt seinen gesunden selbstgekochten Brei, immerhin. Die Aussicht ist fantastisch!

Ich sehe alles! Die Golden Gate Bridge, die Bay Bridge, die komplette Bucht, unsere ehemaligen Wohnorte Oakland und Berkeley, komplett San Francisco sehe ich natürlich auch. Und ich zähle unzählbar viele Hunde. Auf eine Hundenanny kommen zwischen 4-7 Hunde. (Für die bildliche Vorstellung, vielleicht so 100 bis 130 Hunde von meinem kleinen Aussichtspunkt insgesamt.) Hmm, interessant. Auf der Bank packe ich unser Picknick aus. Dann bricht das Chaos aus. Ständig laufen Hunde auf uns zu.

 Die Nannies rufen laut Scooter, Gorre, Sisco, usw.. Sie wollen unser Essen, sie wollen meine Kinder, sie wollen einfach schnuppern, schlecken, an meinen Hosenbeinen und meiner Jacke rummachen – sie wollen nerven. Malea ist das auch etwas viel und rettet ihren halben Donut mit weit nach oben ausgestreckten Armen. Ich versuche den Hundenannies, es sind v.a. viele Männer, die mit ihren zig Hunden weit entfernt an mir vorbeigehen, zu erklären, dass wir hier Essen haben. Interessiert keinen. Es spricht auch keiner mit mir. Klar, die beiden sind auch die einzigen Kinder auf dem kompletten Berg, hier ist eindeutig Hunderevier. Wir sind in der Unterzahl. Ich packe unsere Sachen zusammen. Schlüpfe in die Jacke. Der Ärmel ist triefend nass geschlabbert, lecker. Malea bleibt freiwillig im Buggy. Auf dem Weg nach unten komme ich an einem Baum vorbei. Darunter eine quadratische freie Fläche und drei Blumentöpfe mit Sukkulenten drauf. Sicher ein Hundegrab. Am Parkausgang lasse ich eine hübsche amerikanische Hundenanny mit ihren NEUN (!!!) Hunden passieren. Rückzug.

Wieder nach Hause laufen. Natürlich ist mein Akku leer gegangen, als ich gerade ein Bild von der Golden Gate Bridge machen wollte, also verlaufe ich mich, weil ich Kadis tolle San Francisco Karte nicht dabei habe. Auf dem Weg begegnet mir dann aber die Bibliothek, wo ich morgen mit Malea zum Kinderspielen gehe und ich finde endlich bezahlbare Kerzen für unseren Adventskranz (es sind Grabkerzen, aber das muss ja keiner wissen). Zu Hause angekommen: Das erst heute vom Adventskalender bekommene Mimi Maus bekommt Weihnachtsbesuch-Pixi ist auf dem Weg verloren gegangen. Ich atme kurz durch. Dann laufe ich den kompletten Weg ein zweites Mal. Leider ohne Buch-Fund, aber mit viel Sport in den Beinen.

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Trainingslager: der Lafayette-Moraga-Trail

Der Floh ist diesmal entweder psychosomatisch, ein Geisterfloh oder er ist ausgezogen. Es ist hier jedenfalls Ruhe im Karton. Das aber nur am Rande. Der Ausflug zum Mount Diablo war wunderschön und wenig zum Laufen, klar legen wir Sonntag zum nächsten Ausflug direkt nach! Ich hab ewig im Internet nach einem Buggy tauglichen Weg, möglichst lang aber unkompliziert gesucht. Dann hab ich den Lafayette-Moraga-Trail entdeckt. Weiterlesen

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Auf dem höchsten Punkt der Bay Area: Mount Diablo

Nach lustig Schreiben ist mir gar nicht zumute. Gedankenkarusell schwirrt um Paris, die Welt im Ganzen, ich und meine kleine Mausefamilie das kleine Sandkorn usw..

Kopf frei pusten lassen, Wind, Wetter, Sonne und hohe Bergesluft auf 1300m Höhe atmen! Unser Ausflug ging heute zum Mount Diablo, der höchste Punkt auf der Landkarte in der gesamten Bay Area! Es ist nämlich unser letztes Wochenende in der Bay Area, da müssen wir uns doch nochmal einen Überblick verschaffen.

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Der Friedhof: Mountain View Cemetery

In Vorbereitung auf Halloween und nach Minkes Empfehlung bin ich heute mit den Kindern auf den Friedhof gefahren. Durch die Erziehung meines Großvaters, der mich und meine Schwester in etwa zehn Jahren einmal wöchentlich, in heißen Wochen auch zweimal wöchentlich (die Blumen müssen gegossen werden und Oma braucht was zu trinken, so meine kindliche Vorstellung) zum Friedhof mitgenommen hat, habe ich ein natürliches neugieriges Interesse an Friedhöfen entwickelt. Hinzu kommt, dass ich zur Grundschule und später ab der 11. Klasse zum Gymnasium auch täglich zweimal über den „alten Friedhof“, eine Art Park mit uralten zerfallenen Grabsteinen, laufen musste. Friedhöfe haben mich meine Kindheit und Jugend begleitet und sind in meinem Verständnis eher ein Schrebergartenersatz ohne Tomaten, Platz für Kletterbäume, Kastanieneinpflanzbeobachtung und Picknickareal.
Von wegen beseelte Ruhe auf dem Friedhof… Hier wird im Akkord Rasen gemäht, gebaggert, mittwochs, also heute, werden alle alten Blumen und deren Vasen eingesammelt. Es wird gejoggt und Auto bis zum Grab gefahren. Hunde werden Gassi geführt, vereinzelt gehen Mamas mit Kinderwägen spazieren. Es ist auch wirklich sehr schön hier.

Eingangsbereich und Autofahrstrecke

Alles, was sich in den Städten zeigt, spiegelt sich auch auf dem amerikanischen Friedhof wieder: multikulti pur! Weiterlesen

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