Von kleinen Leuten

Ich komme aus einer eher kleinen Familie. Also nicht von der Anzahl der Familienmitglieder – bei uns werden Feste nämlich inklusive der Großgroßcousine plus deren fünfeinhalb Stiefkinder dritten Grades gefeiert, auch die Eltern unserer Freunde und deren Freunde und Stiefkinder, Stiefhunde usw. gehören zur Familie, is klar ne. Durchaus schön und durchaus ein gedehnter Familienbegriff. Nein, ich meine mit kleiner Familie die Körpergröße. Mit meinen 1,67m bin ich gar ein Riese. Ich glaube, ich bin wirklich die allergrößte. In der Regel fällt das Kleinsein gar nicht weiter auf, da sich alle sehr groß fühlen und es keinem in Sinn kommen würde, das man eher zu den kleineren Leuten zählen könnte.Heute habe ich aber eine Mail von meiner Mama bekommen – der laufende Meter – die nun mit meinem Papa in den Urlaub fährt. Auf den Pyramiden der Mayas, der Ägypter, der Aliens usw. haben sie schon drauf gesessen, den Motoradführerschein in Bali gemacht, in Burma sich am einsamen Dschungelflughafen von Elefanten abholen lassen, diese ganzen wilden Sachen kennen sie aus Zeiten, wo es noch weit und breit keine Backpacker und keinen Massentourismus gab. Jetzt starten sie mit komplett neuen Abenteuern durch, erobern Europa mit dem Bus. Nicht mit dem Bulli, das haben sie auch schon hinter sich, nein viel spannender, mit wesentlich mehr Abenteuern und Geschichten: Nämlich mit Busreisegruppenveranstaltern. Und wenn kleine Leute mit dem Bus reisen, gestaltet sich das so (hier ein Auszug meiner Mama-Morgenlektüre, die mich per Mail erreichte):

„Jetzt sitzen wir im Bus. Ganz vorne!!! Panoramascheibe quasi vor der Nase und konnten nach Begutachtung von Fast-Vollmond dem Sonnenaufgang zugucken. Alles im Preis inbegriffen. Ganz vorne im Bus gibt es nur leider keine Fußstützen, was bei Zwergengröße etwas unbequem ist, da einem dann 8 Stunden die Füße in der Luft baumeln und das Blut allmählich seine Zirkulation einstellt. Aber, ein hinreißender Gatte in Kooperation mit einer hinreißenden Busfahrein (jawolll, BusfahrerIN) haben keine Mühen gescheut, es dem Zwergenmädchen (also mir) so bequem wie möglich zu machen. Es wurde alles Mögliche angeschleppt: des Gatten Tasche (zu flach), ein Tritthocker aus dem Bus (Knie am Kinn) und dann …. Die Lösung, eine Kiste mit einem Stapel Reiseprospekte. Auf denen throne ich  jetzt bzw. meine Füße wie die Prinzessin auf der Erbse.“

Ich und meine Familie der eher kleineren Menschen. Jetzt habe ich eine kleine Tochter, auch sie ist überall die kleinste und einen kleinen großen Sohn. Er ist so groß und schwer, dass ihn aus meiner Familie oder der Familie meines Mannes keiner tragen kann. Alle müssen sich erst setzen und bekommen dieses riesen Kind dann auf dem Schoß platziert. „Uff. Ne Maja, ich kann den nich halten.“ Er ist zehn Monate alt und quasi genauso groß wie meine Mutter. Selbst der Kinderarzt meinte „Na dein Kopf ist ja so groß wie der deiner Schwester“ (sie ist zwei Jahre älter). Er ist auf dem besten Weg dazu, ihr großer Bruder zu werden. Sie tragen bereits jetzt dieselbe Kleidung. Wo dieses Riesenkind herkommt? Es ist allen ein Rätsel, insbesondere dann, wenn sie unter ihm zusammensacken. Hoffentlich kann er sich später in die Familie integrieren. Vielleicht geht er einfach immer in die Knie oder trägt ein Tritthöckerchen mit sich rum, für uns und die Omas oder Tanten, die sich mit ihm unterhalten wollen, dann bekommen wir keine Nackenstarre.

 

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0 Gedanken zu “Von kleinen Leuten

  1. KleineLeute sind doch….
    also ich will ja jetzt kein Eigenlob loswerden, aber ich finde halt wir Kleinen brauchen uns wirklich nicht zu verstecken.
    In meiner Herkunftsfamilie war ich – seit ich erwachsen bin – immer der größte, obwohl ich auch nur 165 cm klein bin.
    Erst unser jüngster Sohn hat mich dann deutlich überholt.
    🙂

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