Wasserträger

Neue Menschen-AA aus Deutschland ist bestellt, Reiner war bei der Geburt von Labormäusen dabei, Malea pendelt zwischen Zornausbruch und übersprudelnder Fröhlichkeit – ich bemühe mich das eine zu ignorieren und das andere zu genießen, die Minicheesecakes sind heimlichst aufgegessen, die nächsten 12 stehen schon zum Kühlen im Kühlschrank, die Wäsche mal wieder gewaschen, fehlt noch Wasser auffüllen und ein Brot backen, dann sind wir bereit für das Wochenende.Leider vertrage ich das Wasser hier aus dem Hahn überhaupt nicht. Bevor ich alle mühsam in angelutschten Broträndern zusammengesammelten Nährstoffe nicht richtig verwerte und alles im Klo landet, gestaltet sich das Thema Wasser wie folgt in unserem Haushalt:

Ich fülle einmal wöchentlich letzte Wasserreste aus den Kanistern im Haushalt um. Alle kleinen Plastikflaschen werden aufgefüllt, die Kaffeemaschine bzw. der Wasserkocher randvoll gemacht. Notfalls wird restliches Wasser in Trinkgläsern und meinem einen Kochtopf aufbewahrt, meistens ist aber nicht mehr soviel Wasser da. Dann marschiere ich mit Kind und Kegel und sechs großen, leeren Kanistern zum Auto. Auf dem Rücken ein Rucksack – Snacks, Windeln, Sonnencreme, Malbuch, Stickeralbum, was man eben Lebensnotwendiges braucht. Vorne am Bauch bzw. vom Hals bis zur Hüfte Riesen-Milan, Malea an der Hand. Interessant wird das stets beim Abschließen der Gartenhaustür und dann 20m weiter nochmal beim Gartentor… Krake mit acht Armen müsste man sein. Der Schlüssel immer griffbereit an einem Krakenarm festmontiert, kein Suchen, fallen lassen etc.. Allesamt und alle Kanister ins Auto rein und dann zum Supermarkt. Nicht der ganz große, sondern ein normalgroßer hier im Ort. Alles ausladen und im Einkaufswagen stapeln. Die Einkaufswagen haben hinten blockierte Räder, sie sind nur vorne lenkbar. Klingt simpel, ist aber schrecklich kompliziert zu navigieren. Dann Einkaufen mit zwei Kindern – entweder gelangweilt, hungrig, durstig, auf jeden Fall schwer. Schwer im Tragetuch, schwer im unnavigierbaren Einkaufswagen. An der Kasse sage ich Bescheid, das ich sechs schwere Gallonen Wasser auffüllen möchte. Hinter der Kasse kann ich an einen Automaten gehen und dort Wasser zapfen. Das kontrolliert keiner, wieviel ich zapfe, aber ich bin stets ehrlich, mag ja erstens in den Himmel kommen und zweitens unbedingt mein Visum für dieses tolle, verrückte Land behalten. Rund 23 Liter Wasser werden abgezapft – zum Trinken, für Nudelwasser, zum Brot backen. Dann alles zurück zum Auto, ausladen, leerer Einkaufswagen zurück, Kinder ins Auto, alles zurück durch Gartentor und Haustür. Ohne Krakenarme. Eher ziemlich schlaffe Arme. Wo war nochmal der Schlüssel?

Ist es nicht schön wie ich in Deutschland einfach Leitungswasser trinke? Glas aus dem Schrank, Hahn auf, Mund auf. Macht das doch mal bitte genüsslich für mich und beschreibt diese herrliche Einfachheit.

Das Ganze neben der sehr ähnlichen wöchentlichen Prozedur des Waschens. Und das tägliche dreimalige Spülen kommt auch noch dazu, weil es gibt ja weit und breit keinen Geschirrspüler. Ist alles eigentlich wie beim Campen. Urlaub oder?! 

Wie schafft es unsere Vermieterin, die den kompletten Tag arbeitet, auch ein kleines zweijähriges Kleinkindmonster besitzt, nur immer so gut auszusehen??? Wohin gegen ich, stets müde und Koffein verströmend mit zerknitterten Klamotten verschwitzt versuche einfach nur den Alltag zu meistern. Mein Vorhaben war es eigentlich muskelgestählert, sonnenbraun und blond gesträhnt nach Deutschland zurück zukommen. Selbstverständlich mit DEM Konzept, wie sich mein weiteres berufliches Leben gestaltet unterm Arm. Meine Ansprüche haben sich auf Zähne putzen, Haare bürsten und alle sind einigermaßen satt zurück geschraubt.
Die Lösung?
Ich bin für mehr Konsum! Eine mobile in unser Auto eingebaute Waschmaschine plus Trockner, die stehen neben der Spülmaschine auf dem Beifahrersitz, einen gratis Getränkelieferanten und einen Leitungswasserfilter wünsche ich mir außerdem.
Ein quasi-Wohnmobil im Jeep, das wär schon was! Sind sonst auch sehr flexibel in der Nutzung unseres Equipments:  

Macht ja höllisch Spaß, täglich zu improvisieren, mit Malea im Waschsalon fangen zu spielen und die besten Kindertipps der lateinamerikanischen Nannies abzugreifen.

Es grüßt einfingrig im Bett auf dem Handy tippend der Wasser-/Wäsche-/Kinderträger.

Erzähl´s weiter!

0 Gedanken zu “Wasserträger

  1. na ja, die Waschmaschine kann ich im „Schläfer“ füllen ! Ich muss die Wohnung nicht verlassen!
    Du kannst dich auf viele Dinge in Deutschland wieder freuen. Allerdings ist das mit dem Wetter z.Zt. hier nicht gerade berauschend, denn es naht der Winter und damit die Kälte und das nasse Wetter! Also, den Teil kannst du echt genießen!!!

  2. Also das war schon schön heute morgen. Bin vom Bett aus in die Küche getapst. Ein großes Glas in der Hand. Wasserhahn auf, und das köstliche, völlig kalkfreie Kürtener Wasser fließt seidenweich ins Glas. Dann angesetzt und dieses Gefühl wenn das Wasser die Kehle runterrinnt….hhhhhmmmmm…. ein Genuss!!!

Na?! Was sagst Du dazu? Hau rein in die Tasten!

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