Paradehausfrau am Sonntag

Reiner und ich praktizieren am Wochenende gerne Etappenschlafen. 6.25h klingelt sein Wecker, 6.30h geht Fußball los. Köln spielt. Die Kinder und ich schlafen noch etwas weiter. Nach und nach kriecht ein Kind aus dem Bett und wird dann von mir zum Papa verfrachtet bzw. himmlischerweise holt der phänomenale Papa sie sogar ab. Ich schlafe weiter. H.E.R.R.L.I.C.H. Wenn das Spiel vorbei ist, Bäumchen wechsel dich. Reiner schlüpft ins Bett, ich übernehme die kids. Was mache ich Tolles als Paradehausfrau zur Überraschung des Ehegatten und zur Bespaßung der Kinder, insbesondere von Malea. Milan ist ja nach wie vor absolut happy mit dem Zerfleischen seines Schmetterlings und wird in die Ecke gelegt. Brot muss sowieso gebacken werden. Ich saue mit Malea also eh die Küche mit Mehl voll. Cookies! Ich backe frische Cookies! Noch nie gemacht. Aber im Internet ein Rezept von Barcomis – der Amerikanierin, die sich erfolgreich mit Catering und Co. in Berlin niedergelassen hat – gefunden, zum Einschlafen gestern recherchiert. Angeblich idiotensicher. Malea wühlt im Mehl, ich hacke kalifornische Mandeln, alles rieselt und staubt auf Klamotten und Boden, wir der Inbegriff der produktiven Konzentration. Milan zerfleischt rasselnd seinen Schmetterling. Ansonsten keine weitere Geräuschkulisse. Reiner schläft tief und fest. Brotlaib geht auf, wunderbar. Cookieteig wird mit Esslöffel und meinem analogen Handrührgerät Schneebesen „schaumig“ geschlagen. Zwischendurch kostet Malea jede einzelne Zutat: Mehl, Butter, Cranberries, Kokosflocken, Haferflocken, Zucker, Vanille – immer erst riechen, dann kosten, nochmal kosten, weil ist ja lecker. Sie dirigiert mit ihrem Löffel aufmerksam das Backprozedere. Ein „Blech“ habe ich nur gekauft, Brot und Cookies, aber alles funktioniert irgendwie. Teller, Tisch, wird alles zwischengelagert. Im Kochtopf der Cookieteig. Ofen vorheizen, Cookie-Klekse aufs Blech, hmmmm wie das schon duftet. Ich widme mich während der Backzeit den Kürbisfotos, die ich gestern gemacht habe. Malea sitzt neben mir, Milan ist mit Schmetterling eingeschlafen, Reiner schlummert auch. Sonntag morgen, es kann nicht chilliger sein.

Dann bricht das absolute Chaos aus.

Der Feuermelder kreischt los. Ohrenbetäubende Sirene schrillt durch das Sonntagsidyll. Es ist sooo laut. Was ist los?! Wie schalte ich das ab?! Es brennt doch nichts!!

TRÖÖÖT. TRÖÖÖT. TRÖÖÖÖT. TRÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖT.

Ich schnappe zwei Geschirrtücher, reiße die Gartentür auf – die Gespenster flattern – wirbel mit den Handtüchern im Wohnraum rum. Wie in der Sauna, denke ich mir, frische kühle Luft von draußen rein, damit sich der Feuermelder beruhigt. TRÖÖÖÖT. TRÖÖÖÖÖÖT. Ich wirbel die Handtücher mit großen Schwüngen durch die Luft. Malea lacht sich schlapp. Schnappt sich auch ein Geschirrtuch, wirbelt kichernd mit. Ohrenklingendes TRÖÖÖÖÖÖT. Milan wacht auf, hat Angst, weint. Was ist nur looooos? Der Wecker klingelt, dass die Cookies fertig sind. Ich mache den Backofen auf. Ahhhhhhhhh! Aaaaaalles verbrannt. Die wunderschönen Sonntagscookies sind schwarz! Festgebrannt in das einzige Blech. Ein schwarzes, ganz, ganz schlimmes Desaster. Ich bin mir sicher, alles richtig und hochkonzentriert gemacht zu haben, bin ja ausgeschlafen.

Der Drehknopf sagt mir: Teufel Malea hat den Ofen heimlich hochgedreht. Sie grinst mich mit Mehl in den Haaren, auf dem Pulli und im Gesicht an. TRÖÖÖÖÖÖÖT.

Reiner meldet sich: „Das heißt wohl, ich soll aufstehen.“

Ich sprinte mit der verbrannten Blech-Cookie-Masse nach draußen, durch die Gartentür, die Gespenster flattern.

Bild 2

Die Paradehausfrau hätte den Ehegatten mit zwei frisch gemachten Kindern, frisierten Haaren, mit einem Blech Cookies am Bett geweckt…

Ich konnte das Blech mit viel Gezetere, Spüli und Beschichtung-mit-schwarzem-Kräuselklumpen-und-Löffel-abkratzen „retten“. Es gab also Sonntagscookies (mit kleinem dröhnenden Intermezzo)! Die leckersten der Welt!

Bild 1

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