Ruckzuck

Ruckzuck. Genauso war das Potluck. Es kann nicht besser beschrieben werden. Ruck Potluck zuck Feierabend. 18h, ich erstmals pünktlich mit zwei Kindern, eingepackten Muffins, Tasche etc. am Gartentor bereit zum Abmarsch. Unsere Vermieterin mit zweijähriger Tochter, diese beiden wunderschönen elfengleichen Wesen ausgeschnitten aus dem Katalog für „schöner leben“, auch wahnsinnig pünktlich.Buggys voll beladen marschieren wir los. Treffen auf dem Weg noch zwei Nachbarn, die unendlich viel und lange quatschen. Kommen zum Spielplatz, wir sind eine der ersten. Eine Schwangere, ein bärtiger freundlicher Mann, einige Kinder sind da. Auf dem Tisch wird eine große rot-weiß karierte Tischdecke ausgebreitet. Und flupp flupp flupp tauchen wie aus einem Harry Potter-Zauberstab Salate in Holzschüsseln, eine Kiste Besteck, Reis, ein gebratenes Huhn, Sommerrollen mit Dip und eine gusseiserne Pfanne mit einem Omlett drin auf. Hmm, äh, hmm. Also, ich habe dann mal 11 Muffins oder Cupcakes oder wie man das auch immer hier nennt dabei…packe sie zögerlich aus und stelle sie unauffällig dazu. Äh und Besteck und Teller und Becher hab ich weder für mich noch für Malea dabei. Wir gucken dann erstmal zu. Bzw. Malea rennt wie vom Teufel gejagt durch die Gegend, macht Quatsch, schreit, quietscht, lacht, wieder zur Rutsche, wieder weg, in einem Tunnel zur Rutsche versteckt. Es kommen immer mehr Salate und Erwachsene, die wild durcheinander quaken, ich stelle mich hundertmal vor, versuche dabei Malea im schummrig werdenden Licht im Auge zu behalten und bei dem laut durcheinander gequakten amerikanisch, irgendetwas zu verstehen. Gut, genug zugeguckt, ich erbettle mir einen Teller und einen Löffel für Malea. Die sitzt kurz neben Yaa, die brav mit ihren Löckchen ihr Lätzchen anhat und isst. Dann springt Malea wieder auf und rennt von dannen. Chance genutzt! Ich schaufel mir ihren Teller voll, heimse ein Lob nach dem anderen für mein „süße Versuchung Cupcake“-Arrangement ein. Teller voll, erster Löffel, mit was fang ich an? Ein anderes schönes lockiges Mädchen stürmt aufgeregt zu mir, da höre ich es auch schon: Malea brüllt aus Leibeskräften. Wo steckt sie? Teller fast fallen lassen, Milan ist gerade auf dem Arm unserer Vermieterin, ich sprinte los. Malea steckt im auf meiner Schulterhöhe zur Rutsche verlaufenden grünen Plastiktunnel. Pipiii, Pipiiiii, bäääähhhhh, Pipiiiii, Maaamaaaa, bääähääää hääää, Rotz, Schleim, Tränenflut, Mamaaa, Pipiiieee, Pipiii, roter Kopf, japs, brüllt wie ein Tiger, Tränenschleim aus Nase, Mund und Augen gleichzeitig.

Durch die Tunnelschlitze versuche ich ihre Hand zu fassen und sie rauszumanövrieren. Da tropft es neben meine Füße. Malea hat offensichtlich einen riesigen Schwall Pipi gemacht. Die Lache sammelt sich unter ihrem Kleid, in ihren Schuhen. Ich versteh die Welt nicht mehr. Hebe ihr Kleid an.

Malea ist nackt. Ich hab vergessen, ihr eine Windel anzuziehen. Jetzt schämt sie sich kaputt, ich hab’s vermasselt. Muss mit ihr ins Gartenhaus, die Arme ist fix und fertig und ich zweifle wirklich ernsthaft an meiner Gedächnisleistung. Ich lasse mein Kind nackt auf die Straße. Kann ich sowas noch auf Schlafmangel schieben?

Mit beiden Kindern zurück ins Gartenhaus, umziehen, mittlerweile ist es stockdunkel, wieder zum Potluck. Der Tisch ist leer. Waaaaas?! Fassungslos. Keine rot-weiß karierte Tischdecke, keine Salate, kein Huhn, kein vollgeschaufelter Teller mit einem Löffel – mein Abendessen. Das Blech mit zwei einsamen Cupcakes steht da, Efeublätter als Zierde. 19.10h. Es ist finster. Die meisten sind weg. Akasemi steht mit Handy da, wollte mich gerade anrufen. Keine Zeit für Essen oder ein Foto für den Blog, keine Zeit sich 18 Erwachsenen-Namen und 20 Kindernamen zu merken. Wuuuschhh, alles weggezaubert, leerer Bauch, zwei frisch gewickelte Kinder, zwei übriggebliebene Cupcakes zum Abendessen.

Es war berauschend kurz.

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0 Gedanken zu “Ruckzuck

  1. Die Amis haben halt kein Sitz-/Stehfleisch wie die Binger/Kölner und Kids sondern eben mitunter aus sämtlichen Körperöffnungen Flüssigkeiten ab. Alles halb so schlimm

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